Countdown zum Job-Wiedereinstieg

Meine Tage sind gezählt. Meine Tage in der Elternzeit bevor es ab Januar wieder zurück in die Berufstätigkeit geht. Bis dahin verbringe ich den gesamten Dezember jedoch in einer herrlichen Ausnahmesituation. Diese Ausnahmesituation heißt  (Frei-)Zeit für mich ganz alleine, weil beide Kinder in Vorbereitung auf meine baldige Wieder-Berufstätigkeit bis zum frühen Nachmittag in der Kinderbetreuung sind. Was ich in diesen Dezemberwochen nun so veranstaltete und wie schwierig es mittlerweile geworden ist, Zeit für sich alleine sinnvoll zu nutzen, möchte ich Euch in meinem "Countdown zum Wiedereinstieg" erzählen:

Dass man als Mutter heutzutage Elternzeit nehmen kann, ist schon eine feine Sache. Dieses Wissen, man hat bis zu drei Jahre Zeit, um sich intensiv mit dem eigenen Nachwuchs auseinander zu setzen, beruhigt schon ungemein. Gerade weil die erste Zeit mit einem Baby so eine bahnbrechende und alles durcheinander wirbelnde Zeit ist. Ob es sich nun ums erste, zweite oder x.te Kind handelt. Hat man dann die ersten drei, vier Monate mit dem Winzling überstanden und sich im ersten Chaos halbwegs arrangiert, hangelt man sich - Mutter wie Kind - an den Entwicklungsmeilensteinen und weiteren Themen im ersten Babyjahr wie der Beikosteinführung oder dem Zahnen voran. Und schwupps, ist ein Jahr rum. Für einige Mamas heißt es nach diesem einen Jahr bereits wieder zurück in die Arbeitswelt. So hatte ich das beim Krümelsohn auch gehandhabt. Bei der Krümeline "gönnte" ich mir nun noch drei Monate oben drauf, um einen glatten Arbeitseinstieg zum neuen Jahr zu haben. In diesen drei Extra-Monaten wollte ich zusammen mit der kleinen Madam eine sanfte Eingewöhnung in die Kinderbetreuung realisieren und einfach dieses Elternzeitjahr bewusst ausklingen lassen. Nun, was soll ich sagen. Punkt 1, die Eingewöhnung der Krümeline, ist bravourös über die Bühne gegangen. Es gab kein einziges Tränchen und die kleine Maus trägt jeden Morgen ganz stolz ihren kleinen Rucksack in die Einrichtung. Interessant ist sowieso eher der andere Punkt, der bewusste Ausklang des Babyjahres... Tja ja. Gerne würde ich hier schreiben, was ich alles mir in diesen Wochen der freien Vormittage so gegönnt habe und wie sehr ich die Zeit für mich ausgenutzt habe. Doch, nö, möp, so isses leider nicht, oder zumindest nicht ganz.

Die Zeit noch nutzen mit viel Schlaf, Wellness und Shopping? Nö...

Doch der Reihe nach. Ich scheue mich nicht zuzugeben, dass ich mich auf diesen Dezember mit der Aussicht auf viele freie Vormittagsstunden alleine ohne Kinder wie eine Schneekönigin gefreut habe. Die Zeit, die mir im vergangenen Jahr für mich geblieben war, bewegte sich nämlich im my-Bereich. Meine Batterien sind ziemlich leer. Deshalb hatte ich mir für diese letzten freien Wochen bevor die Arbeitswelt mich wieder hat einiges vorgenommen: Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, die typische "Mama-hat-frei"-Leier mit viel Schlafen (tagsüber), Kosmetik- und Wellness-Auszeiten, Shoppingtouren und einfach nichts machen. Aber gekommen ist es - haha -  natürlich wieder ganz anders. Nehmen wir das Thema Haushalt und "Familienmanagement". Da lebt man als (Kleinkind-)Mama stets in der Illusion, wieviel schneller man alleine wäre, wenn es um die alltäglichen Dinge rund um Wäsche waschen, aufräumen und einkaufen geht, weil man fokussiert die Themen abarbeiten könne. Tja, sicherlich ist dem schon so, aber auf der anderen Seite erledigen sich diese Arbeiten trotzdem nicht per Finger schnipsen. Zeit brauchen sie trotzdem - und das hatte ich wohl komplett verdrängt. Der Großteil meiner freien Vormittage ging also mit nichts schnöderem als der üblichen Haushaltsorganisation dahin. Einzig die Tatsache, dass ich vielleicht ausführlichere Einkaufslisten schreiben konnten oder eine Sonderwäsche mehr in der Waschmaschine anstellen konnte, lässt sich darauf zurückführen, dass ich vormittags alleine zu Hause war. Schnell war ich auch dazu geneigt, diese freie Vormittagszeit für Sonder-Putz-Projekte oder zum größeren Ausmisten und Aufräumen zu nutzen. Ja, ich habe damit angefangen, erste Teile aus der Babyausstattung zum Verkauf anzubieten, habe die Spielsachen in den Kinderzimmern neu sortiert oder das Wohnzimmer-Parkett einer Grundreinigung unterzogen. Einmal im Putz- und Aufräumwahn bin ich schwer zu bremsen... Allesamt aber wieder Tätigkeiten, die mehr als vormittagsfüllend waren und von denen dahingestellt sei, ob sie mir persönlich "gut getan" haben.

Alleine ohne Kinder (im Haus) ist nicht mehr dasselbe

Und das hatte ich mir doch eigentlich vorgenommen. Mir selbst in knappen vier Wochen wieder einmal etwas Gutes zu tun. Dass das so schwer werden, hätte ich nicht erwartet. Dazu kamen noch verschiedene Arzttermine, die ich mehr oder minder abgearbeitet habe, weil es später dann mit Job, Haushalt und zwei kleinen Kindern auch nicht einfacher werden wird, irgendwo in den Tagesablauf noch Besuche beim Doktor zu quetschen. Saß ich an den anderen Vormittagen, an denen ich nicht im Haus beschäftigt war, also im Wartezimmer. Ganz prickelnd. Wobei, immerhin, konnte ich da zumindest ein bisschen in Klatschmagazinen blättern, ein ganz spezieller Luxus...tststs... In der Tätigkeitsbilanz meiner Vormittage dürfen auch nicht meine Surfeinheiten im Internet zu diversen Einrichtungsprojekten fehlen. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, sind bei uns nach nunmehr 2,5 Jahren im Neubau einige Räume nicht eingerichtet und zahlreiche Baufassungen hängen anstelle von Lampen von den Decken. Wollte ich also auch diese freie Zeit nutzen, um in punkto Inneneinrichtung voran zu kommen. Durch meine fehlende Entscheidungsfreude hab ich aber auch in diesem Punkt nicht wirklich Erfolge erzielen können und nur einen Bruchteil dessen realisiert, was ich mir eigentlich auf die Liste gesetzt hatte.

So, und jetzt kommen wir tatsächlich zur harten Wahrheit: ich war exakt EINMAL beim Shoppen und habe EINEN Friseurtermin aktuell wieder abgesagt, weil die Krümeline mit Fieber zuhause liegt. Es gab für mich keine Vormittagsschläfchen und kein Daddeldu. Punkt Ende aus. Alleine ohne Kinder (für ein paar Stunden)  ist einfach nicht mehr dasselbe wie alleine ohne Kinder (je gehabt zu haben). Als Kleinkind-Mama kann man Hedonismus vielleicht einfach nicht mehr oder nicht mehr so gut. Zumindest kann ich es nicht mehr. Oder es reichen knappe vier Wochen mit nur freien Vormittagen einfach nicht aus, sich wieder in Richtung Selbstbezogenheit zu polen. Nebenbei bemerkt ist Shopping voll anstrengend, auch das hatte ich irgendwie verdrängt. Diese stete Jagd in den Läden nach dem besten (Kleidungs-)Stück, getrieben von dem Wahn, jetzt aber unbedingt etwas kaufen zu wollen, weil man ja nicht weiß, wann einem sich wieder Gelegenheit dazu bietet. Schlimm, schlimm. Wie oft ich vormittags meine Mäuse vermisst habe, habe ich auch noch nicht erwähnt. Mental entspannen konnte ich also auch nur zeitweise, gingen die Gedanken doch auch oft an die Krümelkinder und der Frage, was sie denn wohl jetzt gerade so im Kindergarten anstellen. 

Jetzt ist mein Wiedereinstieg in den Job zum Greifen nah und bin ich nun entspannt und bereit dafür? Ja und nein. Ich befürchte, hätte ich noch einmal vier Wochen mit freien Vormittagen würde sich nichts ändern.Ich würde weiter so durch den Tag wuseln wie bisher. Da kann ich also genausogut mich vormittags wieder Anspruchsvollerem widmen und wer weiß, vielleicht platzt ja irgendwann doch noch der Knoten und ich kann meinen künftig (arbeit- und kind-)freien Freitagvormittag für mich nutzen ;)?!