Warten aufs Laufen

Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Warten find ich total doof und am meisten doof finde ich das Warten auf andere. Gerade Herr Krümel strapaziert hier oft meine Nerven und man könnte meinen, ich hätte durch ihn jahrelang Schulung darin erfahren, geduldiger, ruhiger und gelassener zu werden. Tja nun. Es hat nicht (viel) gebracht. Aktuell arbeitet es in mir wieder einmal sehr und ich kann mich nur mühsam zusammenreißen. Ich warte wieder einmal. Darauf, dass meine kleine Krümeline endlich zu Laufen beginnt.

Jetzt gibt es unzählig viele Personen, die mich darauf hinweisen, dass die Kleine schon früher oder später ihre ersten Schritte machen wird. Dass noch kein Mensch "liegen geblieben wäre" und dass sie alle, früher oder später, laufen. Schon klar. Ich will meinem kleinen Mädchen auch wirklich alle Zeit der Welt lassen, um diese entscheidende motorische Entwicklung zu meistern. Mir ist auch klar, dass man kein Kind hier drängen kann (und sollte), weil sie schlichtweg nicht früher laufen als ab dem Zeitpunkt der ihnen körperlich vorgegeben ist. Aber, dieses darauf Warten ist einfach nur so fürchterlich schwer auszuhalten für mich... 

 

Ich denke da an all' die Dinge, die den Alltag mit ihr so viel leichter machen würden: Nehmen wir zum Beispiel einmal die Jahreszeit und den bevorstehenden Winter. Es wäre so viel einfacher, ihr einfach ihre Schühchen anzuziehen und die jahreszeit-gemäßen Outdoor-Klamotten und dann ab mit ihr nach draußen. Aktuell hat sie zwar so Art Füßlinge oder Gamaschen über ihren Krabbelschühchen, damit sie zumindest draußen krabbeln kann. Aber die Händchen kann man einfach nicht so gut (mit Fäustlingen) schützen, weil sie sich damit weniger gut festhalten kann. Oder unsere Mittwochseinheit beim Kinderturnen zusammen mit dem Krümelsohn. Ich muss im Moment wie ein Habicht auf die Maus aufpassen, dass sie nicht mit den anderen rumtollenden Kindern zusammenprallt oder über den Haufen gerannt wird, weil sie einfach als Krabbelkind nicht in deren Sichtfeld liegt. Aus dem gleichen Grund würde ich es mir so wünschen, dass sie zur Eingewöhnung in die Krippe/ Kindergarten läuft, weil sie vielmehr am Tagesgeschehen teilnehmen könnte. 

 

Dass sie eigentlich auch schon gerne laufen würde, merke ich mittlerweile jeden einzelnen Tag. Sie würde so gerne ihrem großen Bruder hinterher eifern, mitmachen, mit rennen. Fordert meine Hände ein, an denen sie sich festhalten kann und läuft geführt los. Womit hapert es denn dann noch mit dem eigenständigen Laufen? Vor kurzem hat sie auch ihre ersten eigenen drei Schrittchen gemacht und ich dachte schon juchuu, es geht los. Doch mittlerweile tut sich gar nichts mehr. So als ob es nie geschehen wäre, oder so, als ob sie selbst gar nicht registriert hätte, was sie da gemacht hat. Ach, mein Mäuschen, manchmal würde ich so gerne in die Zukunft blicken können. Doch andererseits: ist es nicht der Zauber der Kinder, dass sie einem jeden Tag aufs Neue überraschen und dass es mit ihnen nie langweilig wird? Dass man nie mit ihnen wissen kann, was um die nächste Ecke lauert? Darauf sollte ich mich besinnen und mich wieder einmal in einer neuen Lektion Geduld üben ;).