Abstillen. Ein steiniger Weg?

Alles ändert sich, nichts bleibt so wie es ist. Auf was könnte das besser zutreffen als auf das Größer werden von Kindern? Die stete Veränderung ist mein (fast schon) täglich Brot - genauso wie das anderer Mütter. Mit dem ersten Geburtstag der Krümeline änderte sich bei uns fast stichtagsgenau das Trinkverhalten meiner kleinen Maus und ich schreibe heute diesen Satz, der vor noch gar nicht so langer Zeit noch in weiter Ferne schien. Es ist dieser Satz hier: "Ich habe abgestillt". 

Kinder sind schon witzige kleine Wesen. Echt. Erneut habe ich erfahren, dass es als Mutter wirklich besser (und kräftesparender) ist, diese kleinen Menschlein einfach einmal machen zu lassen und Themen loszulassen, als verbissen "herum zu erziehen". Und manchmal reicht offenbar auch einfach einer kleiner Stups in eine bestimmte Richtung, und schon wuppen die Kleinen die Themen von (fast) ganz alleine. So geschehen kürzlich beim Krümelsohn und seiner Sauberkeitserziehung (lest hier mehr) und so geschehen jetzt auch bei der Krümeline und dem Thema Stillen. 

Piranha-Babys, Stillmarathon und der Wunsch nach mehr Freiheit

Dass ich gerne stille, habe ich hier im Blog schon mehrfach an verschiedenen Stellen erwähnt. Dass ich total dankbar darüber bin, dass das Stillen bei mir so einfach klappt(e), auch. Die Stillbeziehungen zu meinen Kindern waren also tatsächlich Beziehungen. Ich genoss sie, diese Zweisamkeit, Innigkeit und Ruhe, die wir bei (fast) jeder Stillmahlzeit hatten. Wobei ich schon fairerweise zugeben muss, dass ich gerade beim zweiten Kind dann diese Ruhe nicht mehr so häufig hatte und die Nahrungsaufnahme für die (Baby-)Krümeline oft nebenbei laufen ließ, um mit dem Krümelsohn spielen zu können. Zum Glück war die Krümeline hier recht anspruchslos und nahm mir die vielleicht für sie oftmals nicht perfekte Stillposition nicht übel. Hauptsache für sie war dass sie an meine Brust konnte.

 

 

Überhaupt wollten meine beiden Kinder sehr sehr häufig an meine Brust. Diese sagenumwobene Nahrungsaufnahme der Kleinsten, die angeblich nur alle 3 bis 4 Stunden stattfinden sollte, für mich blieb sie ein Mythos. Sowohl mein Sohn als auch meine Tochter hatten einen Stillrhythmus von maximal alle 2 Stunden. Eher alle anderthalb Stunden - und hier nehme ich den Stillmarathon in der Neugeborenenzeit schon raus, in der gerade die Babykrümeline teilweise alle 45 Minuten "Hunger" vermeldete und ich mehr oder minder am Dauerstillen war. Trotzdem, ich habe es hingenommen, es durchgezogen. Habe mich von keinem der Entwicklungsschübe entmutigen lassen und meine Piranha-hungrigen Babys (so nannte es einmal ganz treffend eine Nachtschwester auf der Wochenbettstation) stets mit dem versorgt, was sie wollten: Nähe und Muttermilch - und es machte mich stolz, dass ich diejenige war (und nur ich), die sie so einfach zufrieden stellte konnte. Anfangs zunächst. Denn irgendwann kommt er, dieser Zeitpunkt, an dem in dir der Wunsch nach wieder ein bisschen mehr Freiheit und Freizeit aufkeimt. Nicht mehr so "angehängt" zu sein aufgrund der Bedürfnisse des Babys. Dieser Wunsch kam bei mir bei beiden Kindern so in etwa nach einem halben Jahr. Ich vermute auch, dass dies häufig der Grund ist, warum viele Mütter nach etwa 6 Monaten abstillen. Die Still-Flauschewolke ist verpufft, das Kind hat meist mit der Beikost erfolgreich begonnen, dann wird Tacheles mit der Brust gemacht. So habe ich das auch damals mit dem Krümelsohn gehandhabt - und Glück gehabt, dass er mitmachte.

Keine Beziehung zur Milchflasche

Die Krümeline hatte hier eher ihre eigenen Vorstellungen zum Thema Abstillen und ließ sich auf das Fläschchen-Spiel mit Pulvermilch nicht ein. So gut die Beikost-Einführung letztendlich bei ihr klappte und sie auch Wasser aus der Flasche nahm, so sehr verweigerte sie Milch aus dem Fläschchen (selbst abgepumpte Muttermilch). Ich habe sämtliche Tricks und Tipps durch, wie man ein Baby an den Sauger gewöhnen könnte, es funktionierte bei uns einfach nicht. Dass im Zuge des "Fläschchen-Trainings" ihr schlimmer Unfall geschah und sie sich die linke Hand mit heißem Wasser verbrühte, machte ihre Beziehung zur Trinkflasche nicht wirklich besser. Ich gab es also auf, sie nach den berühmten 6 Monaten von meiner Brust zu bekommen und stillte sie weiter. Ersetzte mehr und mehr die Stillmahlzeiten mit den entsprechenden Breien und kombinierte das Ganze erfolgreich mit Babyled Weaning. Den nachmittäglichen Getreide-Obst-Brei mochte die Krümeline z.B. überhaupt nicht, weshalb es dann stattdessen weiches Obst und BLW-Waffeln oder ähnliches  für sie gab. Ähnlich ging ich auch beim Frühstück vor. Ein morgendliches Fläschchen gab es bei uns nun einmal nicht, weshalb die Kleine schon früh anfing mit uns ganz normal zu frühstücken: Brot (ohne Rinde) mit Butter. Im Anschluss stillte ich sie dann noch bis sie satt war. So konnten wir zwei uns darauf einigen, dass ich sie tagsüber nicht mehr stillte. Was für mich schon eine Riesenerleichterung war, denn ich stehe nicht so sehr auf das Stillen in der Öffentlichkeit - und finde es, anders als viele oft meinen, auch gar nicht so praktisch, dass man als Stillmama stets Nahrung mit "on Bord" hat. Für mich war es total nervig, sich immer irgendwo ein Plätzchen suchen zu müssen, an dem man kurz sitzen und sich "auspacken" kann. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich meist auch noch den Krümelsohn im Schlepptau hatte und diesem während der Stillmahlzeit der Schwester einschärfen musste, nicht die Gunst der Stunde zu nutzen und einfach wild in der Gegend los zu flitzen... 

Plötzlich ging es ganz schnell

So handhabten die Krümeline und ich es also eine gute lange Weile lang: Sie aß mehr und mehr normal (ich führte sie auch schon recht bald, so ca. ab dem 10./11. Monat, an den Familientisch heran) und abends und nachts stillte sie. Kurz vor ihrem ersten Geburtstag herum wagte ich den nächsten Schritt und stellte das Einschlafstillen ab - und  stellte mich selbst auf schlimmstes Drama ein. Doch es blieb aus. Die Krümeline fand sich innerhalb von 3 Tagen einfach damit ab, dass es keine Brust-"Einheit" zum Wegschlummern mehr gab und schlief friedlich stattdessen mit einer Spieluhr ein. Wow! Das überraschte mich wirklich. Blieb also nur noch die eine nächtliche Stillmahlzeit, die ich irgendwann dann auch einstellen wollte  - ganz bewusst. Doch es kam ganz anders, bzw. eigentlich kam gar nichts mehr: Denn fast genau um den ersten Geburtstag der Krümeline herum merkte ich beim morgendlichen Windelwechsel dass die Windel fast ganz trocken war. Und das, wo ich sie doch gerade in vergangenen Nacht wieder mehr an die Brust gelassen hatte, so 3 bis 4 Mal bestimmt, weil die kleine Maus so gemeckert hatte. Tja, da leuchtete es mir ein, meine Milch war versiegt. Richtig schnell ging es ab dem Zeitpunkt dann weiter: Die Krümeline meldete sich nachts und ich gab ihr ihre Wasserflasche und sie gab sich damit zufrieden. Nach in etwa einer Woche brauchte sie diese dann auch nicht mehr, sondern es reichte ihr, "bekuschelt" zu werden. Und hiermit sind wir am jetzigen Status Quo auch angelangt: Die Krümeline schläft mehr oder minder durch, unterbrochen von manchmal mehr, manchmal weniger Unmutsbekundungen, mit denen sie einfach Nähe einfordern will. Sie schläft derzeit ausschließlich im Elternbett, was für uns alle gerade der praktischte Weg ist, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Dass irgendwann demnächst als nächster Weg der "Umzug" ins eigene Bettchen und dann vielleicht sogar ins eigene Kinderzimmer bevorsteht, ist mir auch klar. Doch im Moment genieße ich es tatsächlich, dass wir just nach 12 Monaten den doch so weitreichenden Meilenstein des Abstillens gewuppt haben. Ein bisschen innehalten inmitten dieser ganzen kindlichen Veränderungen tut zwischendurch nämlich auch ganz gut ;).