Endlich ohne. Unser Weg zur Windelfreiheit.

Bei den einen klappt es von heute auf morgen, bei den anderen ist es eine längere Geschichte. So auch bei uns. Auch wenn es im Mama-/Elternblog-Universum schon zig Beiträge zur Sauberkeitserziehung gibt und darüber hinaus auch noch etliche Ratgeber, möchte ich heute dennoch erzählen, wie es bei uns lief (mit dem Pipi in die Toilette). Denn so ganz unbeschwert und nebenbei ging die Windelfreiheit nicht von statten. Aber von vorne:

Es war ein Donnerstag in diesem Frühjahr, ich kann mich noch genau daran erinnern. Der Krümelsohn, die Baby-Krümeline und ich hatten einen Ausflug in einen Spielzeugladen gemacht, weil das Wetter so trübe war und ich zudem noch ein Geschenk für ein anderes Kind brauchte. Wie ihr alle sicherlich wisst, verlässt man so ein Geschäft niemals mit nur dem benötigten Geschenk, ohne dass einem die eigenen Kinder nicht auch noch das eine oder andere Spielzeug aus dem Kreuz leiern. So war es auch diesmal. Ich hatte meine Besorgungen erledigt und beide Kinder waren glückselig über ihr kleines, neues Spielzeug. Selbst ganz guter Laune, dachte ich mir, als ich den nebenan liegenden McDonalds sah, "ach, warum eigentlich nicht?!", genehmigst du dir einen Kaffee während das Baby den Nachmittagsbrei mampft und der "große" Krümelsohn kann ein Eis haben. 

"Mutter-Kind-Kind-Idylle" auf dem Behindertenklo...

Ließen wir drei also den lieben Gott für eine halbe Stunde im Fastfood-Restaurant einen guten Mann sein und genießen die Mutter-Kind-Kind-Idylle. Läuft, dachte ich. Dasselbe dachte sich wohl auch mein kleiner Mann und feuerte das schon seit Tagen angestaute große Geschäft in die Windel. Ach herrje, was jetzt?! Das sich deutlich olfaktorisch bemerkbar machende Resultat musste dringend vom Kind entfernt werden, ich hoffte nur, dass wenigstens die Windel noch hielt und nicht überquoll. Dummerweise konnte ich die Baby-Krümeline nirgends "parken". Es half alles nichts, sie musste der Prozedur beiwohnen. Also, Baby rein in die Manduca, den Sohnemann geschnappt und sich auf der engsten Behindertentoilette der Welt mit der engsten Wickelablage der Welt dem Windelwechsel widmen. Gepaart mit der Hoffnung, dass der Windelinhalt doch bitte so kompakt sein möge, dass er in der Windel bleibt und nirgendwo verschmiert. War er leider nicht... Das Ende vom Lied war ein sich kaputt lachender Krümelsohn, eine nölende und sich in der Babytrage windende Baby-Krümeline und ich am Rande eines Nervenzusammenbruchs in einer miefigen, dreckig-schmierigen Toilette mit einer komplett verbrauchten Packung Feuchttücher. An diesem Punkt wollte ich am besten lieber gestern als heute einen Krümelsohn, der mit seinen (damals) 2,5 Jahren trocken und sauber ist. Diese umständliche Windelwechselei, vor allem unterwegs - ein Graus!! 

Wir starten mit dem Auto-Töpfchen - und voller Windelmontur

Leider zog sich das Projekt Windelfrei dann noch über fast ein halbes Jahr hin - mit einigen Rückschlägen. Zunächst führten wir den kleinen Mann langsam an ein Töpfchen heran. Mit der Form eines Autositzes sollte es unseren über und über fahrzeugbegeisterten Sohn zum drauf sitzen animieren. Was es auch tat. Allerdings auch nur im angezogenen Zustand mit voller Windelmontur am Popo. Sobald ich versuchte die Windel abzumachen und den Krümelsohn "unten ohne" auf das Plastikteil zu setzen, gab es nur Geschrei und durchbäumen. Also gut, dann erstmal nur "Trockenübungen" mit reinem Probesitzen. Als ich nach ein paar Wochen es hinbekam, dass der Herr tatsächlich mal auf dem Töpfchen saß, versuchte ich es mit dem Fernsehtrick: Er durfte eine Folge seiner Lieblingszeichentrick-Serie auf seinem Auto-(Töpfchen-)Sitz schauen und ehe er sich versah, hatte ich ihm flugs die Windel abgemacht. Das klappte gleich viel besser und es landete tatsächlich ein, zwei seltene Male etwas im Töpfchen. Parallel dazu starteten wir mit dem regelmäßigen Anschauen von entsprechender "Pipi-Literatur", am beliebtesten war dabei das "Zähne putzen, Pipi machen" der Wieso-Weshalb-Warum-Reihe. 

Rauf auf die richtige Toilette - zusammen mit Mama

Okay, zugegeben, die Töpfchen-Hockerei des Krümelsohns war die reine Wenn-Dann-Keule und er spielte das Spiel mit, um seine heiß geliebten Comicserien im Fernsehen zu sehen, aber zumindest war die Scheu vor dem nackten Hintern gebrochen. Dachte ich mir und kaufte als Steigerung den Kindertoilettensitz von Ikea und einen Kinder-Badhocker, damit er bequem auf die Toilette kraxeln konnte. Tja, der Schuss ging leider voll nach hinten los. Der kleine Mann fand den Sitz nebst Hocker zwar mega-spannend: Toilettendeckel hochgeklappt, Kindersitz aufgelegt, Hocker davor geschoben, Klopapier in rauen Mengen abgerissen und in die Toilette geschmissen und schlussendlich die Klospülung drücken. Er beherrschte dank des Studiums der entsprechenden "Fachliteratur" die Abläufe perfekt - wenn man einmal davon absieht, dass er als entscheidende Hauptperson sich partout (wieder) weigerte  sich auf den Sitz zu hocken.

 

Also ging das Locken und Zureden erneut los. Dabei bestach' ich ihn mit Süßigkeiten, Stickern für sein eigens für die Toilettenprozedur angeschafftes Stickeralbum und wenn das alles nichts mehr half, dann setzte ich mich hinter ihn auch noch auf den Toilettensitz mit drauf. An gar nicht so seltenen Tagen forderte der Herr tatsächlich alle drei Optionen ein, um den für ihn so leidigen Toilettengang bestmöglich über die Bühne zu bekommen. An der Stelle muss ich erwähnen, dass wir an diesem Punkt immer noch in der Phase des Ausprobierens waren. Landete tatsächlich etwas in der Toilette, war das eher Zufall. So gingen einige Wochen ins Land. Zwischendurch hatten wir auch Momente, in denen er komplett verweigerte und heulend und schreiend beim Anblick des Töpfchens oder des Toilettensitzes davon lief. Also ließ ich ihn zeitweise in Ruhe, er sollte windelfrei nicht mit Zwang und negativen Gefühlen besetzen.

Es geht gar nichts mehr. Ein Ritual muss her.

Nach meines Erachtens ausreichend Abstand, versuchte ich in einem dritten Schritt den Toilettengang zu ritualisieren. Inzwischen war der Toilettensitz ausreichend akzeptiert und ich setzte den Krümelsohn jeden Abend vorm Zähne putzen auf die Toilette. Mal kam etwas, mal nix, aber es sollte für den kleinen Mann so sicher wie das Amen in der Kirche sein, dass Pipi machen vorm Schlafen gehen sein muss. Mir spielte es etwas in die Karten, dass er es mittlerweile total klasse fand, mit nacktem Popo vorm Waschbecken zu stehen, um  sich die Zähnchen zu schrubben, und so ließ er sich bereitwillig die Windel für den Toilettengang abmachen. So vergingen mit diesem neuen Ritual wieder einige Wochen, die Pipi-Erfolge nahmen zu, ab und an landete sogar noch etwas mehr in der Toilette.

Jetzt oder nie? Sommerferien - Pipi-Zeit?!

Es war der Sommer gekommen und ich grübelte wie ich weiter mit dem Krümelsohn in Richtung Windelfreiheit verfahren sollte. Darauf warten, dass er von sich aus meldet, dass er keine Windel mehr haben möchte? Da müsste ich bei ihm allerdings sehr lange zuwarten, so gemütlich er die findet. Dass er durchaus schon in der Lage ist, seine Ausscheidungen zu  kontrollieren, merkte ich auch daran, dass er stets Rückmeldung darüber gab, welches Geschäft in der Windel landete. Die Sommerferien standen bevor, der 3. Geburtstag näherte sich und ich wollte ihn einfach nicht mit Windeln ins neue Kindergartenjahres schicken. Es war fast schon schicksalshafte Fügung, dass er in eben diesen letzten Kindergarten-Wochen vor den Ferien einen wunden Po bekommen hatte. Deshalb schickte ich ihn vormittags zwar noch mit Windel bestückt in die Gruppe, ab dem Zeitpunkt, an dem er zuhause war, ließen wir einfach, von heute auf morgen und auch, um den wunden Popo zu heilen, die Windel weg - am Wochenende sogar ganz. Mit dem Ergebnis, dass ich bestimmt drei Wochen lang, viel viel Wäsche benötigte und ständig am Pfützen wegwischen war. Klar, ich überrumpelte ihn schon ein bisschen damit, dass er jetzt so plötzlich ohne Saugschutz da stand. Auf der anderen Seite war es für uns der einzig richtige Weg, denn nur mit dem Ergebnis direkt konfrontiert, bekam der Krümelsohn einen Bezug zu seinen Ausscheidungen. Bis dato merkte er zwar, dass etwas aus seinem Körper herauskommt, aber es hatte null Konsequenzen für ihn (mein Sohn ist so einer, der stundenlang mit einer megavollen Windel klarkommen kann). Plötzlich merkte er, er pinkelt sich voll und davon wird die Kleidung nass und das fühlt sich unangenehm an. Trotz dieser neuen Erfahrung kündigte er sein Bedürfnis aber weiterhin nicht vorher an. Die erste Hälfte der Sommerferien verbrachten wir also damit, dass ich ihn ca. alle 2 Stunden regelmäßig auf die Toilette setzte.

 

Und ja, irgendwann machte es dann kurz vor unseren Urlaub an der Ostsee klick bei ihm. Ich ließ die Pinkelabstände länger werden und merkte er hielt durch. Die ersten "Ich muss mal" kamen und mit dem großen Geschäft wurde es auch immer unkomplizierter und darüber hinaus, schon ganz erwachsenenlike, regelmäßiger. Anfang September spazierte der kleine Mann ohne Windel, dafür bepackt mit einer großen Menge an Wechselklamotten, ganz selbstbewusst in das neu startende Kindergartenjahr - und siehe da: es läuft. Und zwar diesmal tatsächlich in Toilette, zumindest meistens, wenn er nicht gerade von zu viel Spielen abgelenkt ist. Seine Wechselklamotten braucht er trotzdem noch, weil es mit der Zielgenauigkeit noch etwas hapert - das große Kleine-Jungs-Problem ;). Ganz am Ende des Trockenwerden-Prozesses sind wir aber noch nicht, denn die Nachtwindel haben wir noch nicht abgeschafft. Die ist jeden Morgen immer noch so rappelvoll, dass das Kind bestimmt am Morgen ein Kilo mehr wiegt als am Abend ohne Windel. Aber tja, so ist das halt mit den Kleinen:  die einen können es von jetzt auf gleich, die anderen - und in diesem Fall eben auch der Krümelsohn - brauchen etwas länger.