Alles Laufrad, oder was?! Warum es bei uns nicht läuft.

Wir Mamas vergleichen unsere Kinder nicht untereinander, nein, nein. Niemals... NOT!! Natürlich schaut - mal mehr, mal weniger insgeheim - jede von uns zum Nachwuchs von links und rechts. Ordnet das eigene Kind irgendwie dazu ein. Ich finde, solange das nur rein vergleichend geschieht, so nach dem Motto 'Ah, das kann der also schon. Meiner ja noch nicht' und man als Mama das dann auch so stehen lassen kann, nicht weiter verwerflich. Ich gebe hier aber jetzt ganz offen zu, dass es ein Thema gab, das mich im Inter-Kind-Vergleich ziemlich gewurmt hat und bei dem ich ziemlich froh bin, dass wir nun offenbar endlich den "Durchbruch" geschafft haben. Es handelt sich - tadaa ;) - ums Laufradfahren des Krümelsohns.

Dreirad versus Laufrad

Im letzten Sommer, vorm zweiten Geburtstags des Sohnemanns, kam sie erstmalig auf, die Diskussion, mit welchem Gefährt der kleine Mann im nächsten Lebensjahr seine Runden drehen möchte/ sollte. Das Pukylino und Bobbycar waren längst (vom ersten Geburtstag) etabliert oder schon wieder passé. Und so grübelten ich, die Oma und Tante was sich denn nun für den zweiten Geburtstag anböte: Laufrad oder Dreirad. Hin und her überlegten wir und entschieden uns dann für ein Dreirad. Vor allem, weil der Krümelsohn motorisch nicht unbedingt zu den "Early Birds" gehört und wir ihm es schlichtweg nicht zutrauten, auf dem Laufrad durch die Gegend zu cruisen. Selbst beim Dreirad war ich skeptisch, ob er es denn schon drauf hätte, in die Pedale zu treten und wünschte mir zum Puky Dreirad mit Schiebestange noch den Pedal-Aufsatz dazu, um dem Krümelsohn ein einfaches Abstellen der Füsschen zu ermöglichen, während ich ihn über die Schiebestange schiebe. So die Überlegungen. Dass er an seinem zweiten Geburtstag dann gleich eine (okay, abschüssige) Strecke von 200 Metern auf der Straße selbst getreten auf dem Dreirad zurücklegte, machte mich schon ziemlich stutzig. Unterschätzte ich meinen kleinen Sohn? Nun gut, es kam der Herbst und der Krümelsohn ließ sich dann doch von Mama durchs Dorf schieben, zum Spielplatz, heimwärts vom Kindergarten. Ist doch praktisch, wenn Mama die Arbeit macht und der Herr den Ausblick genießen kann. 

Der Laufrad-Reinfall

Also dann doch nicht der Dreirad-Held, dachte ich. Insgesamt war das Gefährt für den Krümelsohn ganz nett, aber total begeistert (wie z.B. von seinem Kinderwagen-Sitz) war er nicht. Ich dachte mir, vielleicht liegt es an der Jahreszeit, dass die volle Nutzbarkeit des Dreirades noch nicht ausgenutzt werden konnte. Dann nahte das Weihnachtsfest und mit ihm kamen die ersten Weihnachtswünsche des kleinen Mannes auf. Ein Laufrad sollte es sein. Aha. Okay. Warum eigentlich nicht?! Dreirad und Laufrad, das sind ja ganz unterschiedliche motorische Abläufe, die beim "Bedienen" der Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Also, recherchiert wie eine Weltmeisterin. Hilfe!!! Wo fängt man denn an und wo hört man auf. Das Angebot ist schier unbegrenzt. Sollte es der Klassiker der Nachbarschaft, das Puky Laufrad sein? Oder der "Porsche" mit Aluminium-Rahmen, das Kokua Jumper. Sollte es aus Metall oder Holz sein? Schlussendlich bin ich auf dieses hier gestoßen und habe mich in den Retro-Look des Rades einfach blitz-verliebt: Das Rebel Kidz Classic. Laut Herstellerangabe ab 2 Jahren geeignet, höhenverstellbarer Sitz, Luftreifen. Preislich im mittleren Segment. Herr Krümel und ich waren uns einig, mit diesem Laufrad sollte der Krümelsohn in die Fahrradwelt einsteigen. Weihnachten 2016 kam und der Krümelsohn freut sich wie ein Schnitzel beim Anblick des Laufrades unter dem Weihnachtsbaum, versucht aufzusteigen und die ersten Meter um den Baum zu fahren. Doch soweit kommt es nicht: Das Laufrad ist unserem Sohn, der durchaus auf der oberen Gerade bei der Wachstumsperzentile liegt, trotz seiner knapp 2,5 Jahren viiiiel zu groß. Er kommt nicht auf dem Sattel zu sitzen, der doch recht hoch gesetzte Einstiegsbereich des Rebel Kidz (anders als beim Puky) scheuert den Herrn zwischen den Beinen und wir sind froh, dass da noch eine Windel abdämpft... Der Krümelsohn hat bereits nach dem ersten Aufstiegsversuch genug und ignoriert ab dann das Gefährt. Für eine lange, lange Zeit. Der Frühling kommt, die (jüngeren!!) Nachbars-, Bekannten- und Freundekinder düsen auf ihren Laufrädern durch die Gegend, nur nicht mein Krümelsohn. Er lässt sich weiterhin schieben, mit dem Dreirad. Schimpft wie ein Berserker, wenn er mal selbst etwas stärker in die Pedale treten muss, weil ich ihn mit der Schiebestange austrickse und nur antäusche zu schieben. Aber das schicke grüne Laufrad, es fristet ein Schattendasein in unserer Garage. In unregelmäßigen Abständen frage ich den kleinen Mann, wenn wir nach draußen gehen, ob er denn die Kühe auf der Weide mit dem Laufrad besuchen oder eine Runde mit dem Gefährt um den Block drehen möchte. Und ernte jedes Mal ein vehementes Nein. Gleichaltrige Jungs  fahren morgens eigenständig mit dem Laufrad (vom Elternteil auf dem Fahrrad begleitet - Aussage genug für die Geschwindigkeit!) zum Kindergarten. Und mein Neid wächst. Warum will mein Kleiner einfach nicht Laufrad fahren? Wie wird das dann später mit dem Fahrrad fahren, wo doch alle immer davon reden, wie einfach der Übergang vom Laufrad aufs spätere Kinderfahrrad von statten gehen würde. Menno!! Wo hakt es denn da bei uns, respektive beim Sohnemann? 

Der kleine rote Flitzer...

Die Lösung kam diesmal von meiner Mutter, die einfach ein neues, günstigeres und vor allem kleineres Laufrad dem Enkel schenkte. Einen kleinen roten Flitzer. Und siehe da, der Krümelsohn war gleich mit dabei, als es darum ging, dass der Papa für ihn das neue Gefährt zusammenschrauben sollte. Legte mit seinem kleinen Spielzeug-Akkuschrauber sogar selbst "Hand an" und entwickelte einen Bezug zum neuen fahrbaren Untersatz. Kaum fertig montiert, schwang sich der Herr sogleich darauf und drehte die ersten Proberunden durch Wohnzimmer und Flur und wollte gleich nach draußen. Yippieh, die Scheu ist abgelegt. Ich jubelte. Sicherlich war der erste Ausflug dann eher eine Steh-, denn eine Fahr-Veranstaltung, aber egal. Hauptsache, er sitzt mal drauf auf dem Laufrad. Und ja, was soll ich sagen: Der dritte Geburtstag naht, für andere Kinder ist das Laufrad sicherlich längst zum Alltag, zum sicheren Fortbewegungsmittel, geworden, während wir noch fleißig üben. Aber heute hatte ich, nach doch schon einigen Übungs"fahrten", erstmals Schwierigkeiten im Spazierschritt mit dem Laufrad fahrenden Krümelsohn mitzuhalten und musste in den Laufschritt wechseln. Zumindest zeitweise. Denn - und da kommt nach wie vor mein kleiner Träumer-Sohn durch - vollends düsen ist für den Krümelsohn nämlich gar nicht so spannend. Die Geschwindigkeit ist für ihn nicht so reizvoll wie für andere kleine Jungs in seinem Alter. Er muss aus voller Fahrt stoppen, weil, huch, schau mal, da hinten fährt ein Traktor mit Heugabel vorbei. Oder da, schau mal, das wächst ein kleiner Löwenzahn aus der Mauerritze und dort vorne am Boden, da liegt ein glitzerndes Bonbonpapier am Boden. Und hier überquert die Schnecke den Bürgersteig und die darf man natürlich nicht überrollen... Ach ja, so leibt und lebt der Krümelsohn und wird vielleicht nicht mehr zum welt-engagiertesten Laufradfahrer. Aber, zuckersüß ist er, mit seiner kleinen Persönlichkeit und seinen Eigenarten. Und da will ich dann doch gar nicht nach Links- und Rechtsschauen und Hin- und Hervergleichen, sondern mich vielmehr über die Individualität meines Kindes freuen.