Küken-Bonus?! Wird das jüngere Kind weicher erzogen?

In Erziehungsfragen bin ich weniger eine Ratgeber-Mum bin, sondern eher eine, die aus dem Bauch heraus entscheidet. Dabei ist mir nichts wichtiger, als meine beiden Kinder liebevoll, achtsam, respektvoll und gerecht zu erziehen. Dennoch stelle ich fest, dass ich bei der Erziehung meiner kleinen Tochter nun doch (teilweise) anders vorgehe als bei meinem älteren Sohn. Mir war gar nicht bewusst, dass ich offenbar in der Erziehung der beiden unbewusst unterscheide, als kürzlich der Herr Krümel mich darauf ansprach, wie ich mir das Thema "Schlafen" bei der Kleinen künftig vorstelle. Und wenn er sich da zu Wort meldet, dann will das tatsächlich etwas heißen...

Durchschlafen? Fehlanzeige!

Die Baby-Krümeline ist nun 7 Monate alt und kommt im Moment nachts ca. alle zwei Stunden zum Stillen. Dadurch dass sie immer noch im Beistellbettchen liegt, ist das für mich keine große Sache und ich öffne einfach im Halbschlaf die "Milchbar. Meist schiebe ich sie auch gar nicht mehr zurück in den Baby-Balkon, sondern sie schläft an mich gekuschelt weiter, bis zum nächsten nächtlichen Imbiss. Gestört hat mich das bisher nicht. Erst mit dem Hinweis des Herrn Krümel fiel mir auf, dass ich beim Krümelsohn in diesem Alter schon längst damit begonnen hatte, seine nächtlichen Wachphasen nicht immer nur mit Stillen zu beantworten. Was dazu geführt hatte, dass der kleine Mann schon recht bald daraufhin durchschlafen konnte. Klar hatte das während der Umstellung zu Gemecker geführt bei ihm, aber das große Drama stellte sich nicht ein. Aus dieser positiven Erfahrung heraus könnte ich also auch bei der Baby-Krümeline zumindest einmal den Versuch wagen, herauszufinden, ob sie tatsächlich nachts Durst/ Hunger hat oder ob sie einfach nur kurz wachgeworden ist und kuscheln will. Stattdessen zücke ich jedes Mal die Brust, weil es ja so praktisch ist und damit die Sache wortwörtlich und schnell "gegessen" ist. Tja, da fehlt mir zweifelsfrei die Konsequenz in meiner Erziehung, ehrlich zugegeben.

Mangelnde Konsequenz beim jüngeren Kind? Oder einfach mehr Erfahrung?

Denke ich so weiter nach, fallen mir einige Aspekte im Umgang mit meinem Baby (kann man hier überhaupt schon von Erziehung sprechen??) ein, bei denen ich wesentlich "weicher" bin als beim ersten Kind. Das Thema Beikost zum Beispiel. Die Krümeline tut sich sehr schwer mit Brei und auch das Baby Led Weaning klappt nur mittelprächtig. Sie stillt einfach sehr, sehr gerne - ob tagsüber oder nachts. Wäre sie mein erstgeborenes Kind, hätte mich diese Tatsache ziemlich fertig gemacht, weil ich Angst gehabt hätte, sie würde zu wenig Nahrhaftes zu sich nehmen. Beim erstgeborenen Krümelsohn hatte ich mich von meiner Umgebung damals auch noch stark verunsichern und mich tatsächlich zum Abstillen nach 7 Monaten überreden lassen. Oder ich denke an die gesamte Motorik-Förderung à la PEKIP, die ich beim ersten Kind konsequent durchgezogen habe, von nackt Strampeln über die verschiedenen Motorikspielchen... Und wehe, er hat sich nicht Entwicklungskalender entsprechend entwickelt! Dann wurden noch mehr "Trainingseinheiten" in den Alltag eingebaut. Die Baby-Krümeline heute darf einfach so sich in den Tag hinein entwickeln. Was heißt, ich registriere freudig, wenn sie etwas Neues kann, aber ich renne auch nicht gleich zum Osteopathen, nur weil sie vielleicht noch nicht krabbeln kann (was ich damals mit 10 Monaten beim Krümelsohn wirklich gebracht habe).

Individualität annehmen lernen

Es ist ganz augenscheinlich so, dass ich bei meinem ersten Kind voller Liebe zu ihm alles richtig machen wollte und dabei mit Sicherheit bei einigen Themen über das Ziel hinausgeschossen bin. Vielleicht hätte ich damals tatsächlich doch einmal in den ein oder anderen Ratgeber schauen sollen. Bei meinem zweiten Kind bin ich nun um einige Erfahrungen reicher und erlaube mir eine weichere Vorgehensweise, einfach weil ich weiß, dass am Ende verschiedene (Erziehungs-)Ansätze zum Ziel führen. Viel wichtiger ist es, die Kinder nicht alle in den gleichen Topf zu werfen. Jeden Tag aufs Neue zeigt mir die Baby-Krümeline ihre Individualität und eigene Persönlichkeit. Das anzunehmen und Wert zu schätzen, ist im Moment also meine größte Aufgabe - und nicht das sture Hinterherlaufen von irgendwelchen Richtlinien, was man dem Baby in welchem Lebensmonat "antun"  solle bzw. was ich bei ihrem großen Bruder damals schon gemacht oder nicht gemacht habe.