Zwei (fast) unter zwei. Die Kehrseite der Medaille.

Ich wünschte mir zwei Kinder und wenn möglich, dann bitte mit einem kurzen Altersabstand, damit sie enger zusammen aufwachsen. Nun denn, es hat geklappt und wir sind bei unseren Beiden mit einem Altersabstand von genau zwei Jahren und zwei Wochen „rausgekommen“. Also, nicht mehr ganz zwei unter zwei, aber die zwei Wochen drüber, geschenkt, oder?! Worauf man sich da „eingelassen“ hat, weiß man leider meist erst hinterher. 

Zwei Kinder, ja, da hat man viele Synergie-Effekte. Dieser Gedanke liegt nahe. Und ja, es stimmt, bei vielerlei Angelegenheiten ist man als Zweifach-Mama durchaus schon ganz lässig unterwegs (was ich auch hier verbloggt habe). Aber es gibt Tage und Wochen, da sind zwei unter zwei einfach nur heftig.

Zugegeben, im Moment ist es nicht ganz so rosa Flausche-Wolke mit den beiden Krümelkindern: Der Krümelsohn ist krank zu Hause, was heißt, dass ich an der Mama-Front im Dauereinsatz bin. Kein vormittäglicher Kindergarten für ihn, in dem er sich auspowern kann und in dem er an drei Tagen der Woche mittags isst und schläft. Zudem rund um die Uhr die Baby-Krümeline, die, langsam aber sicher, in den nächsten Schub reinschlingert. Will sagen, ich könnte mich als Mama im Moment klonen und es würde wahrscheinlich immer noch nicht reichen. Mit zwei Kindern ist es einfach so, ein jedes muss dann und wann und mit Sicherheit immer in der ungerechtesten Situation mit einem Aufmerksamkeitsdefizit klarkommen. Und ich als Mama mit dem Dauer-Schlechtem-Gewissen. Oder damit, dass ich keine 10 Arme habe und nicht überall Augen.

 

Somit ist es, in Zeiten wie diesen, soweit für die Liste mit Punkten, die man als Mama mit zwei kleinen Kindern kaum bis gar nicht mehr hinbekommt. Die Contra-Liste sozusagen zum so positiven Beitrag zur „entspannten Mama“:

Ein Kind ist krank

Ja, aus aktuellem Anlass starte ich gleich mit der fiesesten Kategorie in der Mama-Aufmerksamkeits-Jonglierrunde. Mehr oder minder naturgegebenen will man sich als Mama aufopferungsvoll dem kranken Mini widmen, es umhätscheln, versorgen, liebkosen und gaaaanz schnell mit allen Mitteln wieder gesundmachen. Klappt als Erstlings-Mama wunderbar, als Zweifach- oder Mehrfach-Mama ist es einfach nur zum Haare raufen. Das kranke Kind, das doch auch noch so klein ist, muss schon ganz schön tapfer sein und mit vielem allein klarkommen, weil das gesunde Kind schließlich auch noch Bedürfnisse hat.  Dabei ist schlussendlich egal, ob das Kleinkind oder das Baby krank sind, zurückstecken muss immer eines. Die Konstellation beide gleichzeitig krank, hatte ich zum Glück noch nicht, aber weiß jetzt schon sicher, dass das dem Aufmerksamkeits-bzw. Versorgungs-Super-Gau nahekommen muss...

Beide Kinder schreien gleichzeitig

Der Klassiker. Beide Kinder schreien und man flitzt von Kind 1 zu Kind 2. Keines kommt zur Ruhe, sondern will mit seinem Geschrei das andere übertönen, um ja von der Mama (als erstes) wahrgenommen zu werden. Ja, was macht man dann in solchen Situationen? Mit dem Kopf gegen die Wand rennen, ist immer mein „Lieblingsimpuls“. Weil das nun keinem etwas bringt, also durchatmen, das Hilflosigkeitsgefühl runterwürgen und trösten, da sein, trösten, umarmen, durchatmen, usw. Bis sich eines beruhigt und man beim nächsten weitermachen kann. Schön ist trotzdem anders...

Zwei Kinder zu Bett bringen

Bereits bei der Einführung des Bettgeh-Rituals des Krümelsohns hatte ich mir damals (noch) als Einfach-Mama gedacht, wie „krass“ das mit zwei Kindern wohl sein muss, wenn beide müde sind und ins Bett sollen. Wie man diese Rituale (und seien sie noch so simpel) bei so ganz kleinen Geschwistern kombiniert bekommt und jedes trotzdem ruhig in den Schlaf findet? Nun denn, bis jetzt läuft es mit dem Zu-Bett-bringen der beiden Krümelkinder. Noch. Weil der Krümelsohn als erstes an der Reihe ist und, meist schon hundemüde, relativ fix einpennt. Und weil die Baby-Krümeline noch (mehr oder minder) in den Schlaf gestillt wird. Ich wage noch gar nicht daran zu denken, wenn diese Rituale umgestellt oder angepasst werden müssen, weil die Kleine abgestillt ist oder der „Große“ sein Recht, länger aufzubleiben, einfordert.

Mama-Auszeit passé

Wie herrlich waren diese Zeiten mit dem Krümelsohn damals alleine und seinem (bis heute) großen Schlafbedürfnis. Was konnte ich seinen Schlafenszeiten nicht alles erledigen oder mich mal mit hinlegen oder in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken??! Ja, diese Zeiten sind sowas von passé. Denn, dass beide Kinder einmal gleichzeitig schlafen ist im Moment nichts als Wunschdenken. Die Reise sollte sicherlich zumindest einmal in Richtung gemeinsamer Mittagsschlaf gehen, aber derzeit kann ich darauf wetten, dass wenn ein Kind ruhig schläft, das andere gerade aufwacht oder sowieso noch quietschfidel ist. Zudem kommt in diesen Momenten auch der Mama-Gerechtigkeitssinn wieder durch und man gönnt dem wachen Kind 100% Aufmerksamkeit während der Schlafenszeit des anderen Kindes.

Zwei Kinder bespaßen

Ein kleiner Ausflug zum Spielplatz oder ein Playdate. Auch hier möchte man sich als Mama gerne teilen. Was tun, wenn auf dem Spielplatz das Baby gerade gestillt wird, das „große“ Kleinkind aber in halsbrecherischen Höhen turnt oder trotzt, weil es auf die Schaukelrunde warten muss, bis das Baby satt ist. Ja, mit so einem Geschwisterchen wird schon früh die Geduld des jeweils anderen Kindes trainiert. Genauso wie die Nerven bzw. die Gelassenheit der Mama. Dass man sich anpassen und einfügen muss, lernen die Kinder, wenn man das eine Kind gemeinsam mit dem Geschwisterchen überall mit hinschleppt (z.B. zum Spielenachmittag des „Großen“), weil die Mama keine Alternativbetreuung hat. Ob man sich das als Mama alles antun will, ist dann die andere Frage. Dahin sind also für mich auch die Zeiten, in denen ich mit einem Kind (im Kinderwagen, Buggy oder Tragetuch) einen gemütlichen Bummel in der Stadt gemacht habe.

Sauberkeitserziehung

Bei seinen 2,5 Jahren denke ich beim Krümelsohn schön langsam an die Sauberkeitserziehung. Wobei ich gar nicht erziehen will, sondern ihn positiv unterstützen möchte, wenn er selbst soweit ist und keine Windel mehr möchte. Allerdings möchte ich noch gar nicht daran denken, wie das mit ihm dann so sein wird, wenn wir unterwegs sind und er dann „muss“. Muss die Krümeline dann auch dort überall mit hin? Heißt das dann mit zwei kleinen Kindern auf die öffentliche Toilette, na „wunderschön“!! Wird das „müssen müssen“ des Krümelsohns dann das neue Stillen? Früher musste wegen der Mahlzeiten des Babys das Kleinkind warten, muss dann also das Baby künftig wegen der dringenden Bedürfnisse des Kleinkinds warten... ?!

 

Das sind im Moment die Punkte, die mir am meisten durch den Kopf gehen, wenn es um die Herausforderungen mit zwei so kleinen Kindern geht. Anspruch auf Vollständigkeit hege ich hier keinen. Am Ende dreht es sich meiner Meinung nach sowieso meist um den Aspekt der Aufmerksamkeit für das jeweilige Kind und dem Gefühl für mich als Mama, keinem Kind jemals zur Vollständigkeit gerecht zu werden. Ich hoffe, daran gewöhne ich mich noch. Ein knappes halbes Jahr als Zweifach-Mama hat nämlich noch nicht ausgereicht...