Mama versus Chicken Nuggets. Unser Kleinkind und die Faszination Fast Food.

Angefangen hat alles mit dem ersten Kindergeburtstag, auf dem der Krümelsohn zu Gast war. Nach einer wundervoll aufregenden Schnitzeljagd für die Kinder stand schließlich der Abschluss der Feierlichkeiten bevor: Das obligatorische Abendessen, Pommes und Chicken Nuggets. Gespannt war ich wie sich dazu unser essensrestriktiver Sohn verhalten würde – und siehe da, er mampfte ganz non-chalant diese ersten Nuggets seines noch jungen Lebens. Ich war froh, dass er auf der Geburtstagsfeier nicht dasselbe Gezeter wie am heimischen Essenstisch veranstaltet, sondern ganz artig mit den anderen Kids zusammen aß. An diesem besagten Kindergeburtstag wackelte das erste Mal einer meiner zwei Regeln in der Ernährung der Kinder: kein Zucker im ersten Lebensjahr und – nun ja – kein Fastfood für Kleinkinder.

Kein Fastfood für Kleinkinder, oder?

Machte ich also gute Miene zum Spiel. Wollte ich mich als Mama, die gerade den Kosmos der Kindergeburtstage erschlossen bekommt, nicht gleich bei der ersten Gelegenheit zum Spielverderber werden. Einige Wochen später im Kindergarten. Es war Betreuungsdienst während der Ferienzeit und die Kantine, die sonst das Mittagessen für die Kinder liefert, hatte Urlaub. Etwas früh dran war ich, um den Krümelsohn abzuholen, und sehe gerade noch: Der Herr sitzt am Kindertisch und isst genüsslich und in aller Seelenruhe seine Pommes auf, die die Kinder diesmal gemeinsam mit den Betreuerinnen zubereitet hatten. Was soll ich sagen? Mein Leitpunkt wankt weiter. Weiter gings mit dem nächsten Kindergeburtstag und ja, mit unserer eigenen Fehlbarkeit: Dass Herr Krümel die einschlägigen Fastfood-Ketten ab und an für eine Mittagsmahlzeit aufsucht, weiß ich. Alle Lichtjahre gelüstet es auch mir nach einem Burger und den genehmige ich mir auch dann. Aber ansonsten ist das Thema Fastfood wirklich kein Thema bei uns. Jetzt geschah es, dass wir im Auto unterwegs waren und an die kleinen Unterwegs-Mahlzeiten und -Snacks für den Krümelsohn gedacht hatten, aber eben nicht für uns Erwachsene. Es kam wie es kommen musste, wir schoben mächtig Kohldampf, wollten aber nicht zu viel Zeit auf der Strecke, respektive in einem ordentlichen Restaurant, lassen. Weil es ja so schnell geht und weil man ja gerade da ist, entschlossen wir uns für einen Zwischenstopp bei McDonalds. Um den Krümelsohn nicht blöd neben seinen Eltern sitzen zu lassen, bekam auch er etwas. Das berühmte Kindermenü. Mit Pommes, Nuggets, Saft und Fruchtpüree. Und siehe da, mein Sohn macht sich begeistert über die, wie er sie nennt, "Fleischkekse" her als gäbe es nie wieder etwas zu essen auf dieser Welt. Möp. Soviel wieder zum Thema Fastfood und meiner Devise bei der Kinderernährung. 

Warum nur dieser Hype um die Chicken Nuggets?

Woran liegt das, dass selbst der Schlechteste aller Esser bei diesen Chicken Nuggets begierig zugreift und ordentlich isst? Denke ich genauer darüber nach, dann komme ich durchaus zum berühmten Kern des Pudels. Wir Erwachsene selbst wissen, dass die Kombination aus Fett, Zucker, Salz und Geschmacksverstärkern einfach „schmeckt“. Dass Pommes und Nuggets keine großen Ansprüche beim Kauen erfordern, dass man sie im wahrsten Sinne des Wortes in sich hineinstopfen kann. Aber, diese Kriterien erfüllen auch noch andere Speisen. Selbstgemachte Schnitzel zum Beispiel. Nicht mega gesund durch Panade und Fett, aber bestimmt nicht so wild wie diese Nuggets. Hier setzt der Krümelsohn aber an schlechten Tagen trotzdem aus und verweigert. Was liegt also an diesem Hype um Chicken Nuggets (und Pommes)? Sie sind durchgängig mit etwas Positivem, Angenehmen verknüpft und stehen als Highlight am Ende eines bunten Nachmittags voller aufregender Spiele mit Freunden, voller Kuchen und Süßigkeiten. Sie werden (ganz typisch bei den Fastfood-Ketten) den Kleinen in einer „Wundertüte“ zusammen mit Süßigkeiten und Spielzeug gereicht. Chicken Nuggets und Pommes sind nicht nur ein Essen, sie sind ein Event. 

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte

Kein Wunder also, dass der Krümelsohn es so abfeiert, wenn er mit Papa zu McDonalds und Konsorten darf. Wenn im Kindergarten zusammen „gekocht“ wird oder wenn er mit seinen Freunden an einem anderen als dem elterlichen Esstisch sitzt und nach einem spannenden Tag gemeinsam gegessen wird. Ich stehe jetzt da mit meinem inneren Konflikt. Freue ich mich darüber, dass der Krümelsohn positive Essenserfahrungen sammelt und seine Fleisch-Einheiten  über diese verheckselten Hühnchenteile zu sich nimmt? Oder setze ich weiter meine Regeln durch. Wir sind keine Dogmatiker was die Ernährung anbelangt. Wir leben ein ganz langweiliges Mittelmaß bei unserer Ernährung. Ich bin keine Veganerin und ernähre mich (nicht mehr) paleo oder sonst nach irgendeinem Ernährungstrend, der gerade durch die Buchläden gejagt wird. Das war früher anders, ja. Aber seitdem ich Mama bin, ernähren wir uns gesund und ausgewogen. Nicht mehr und nicht weniger. Wir kaufen mal im Bioladen ein, aber eben auch im Discounter. Es gibt nur diese zwei Punkte, die mir bei der Ernährung meiner Kinder wichtig sind: Kein Zucker im ersten Lebensjahr und kein Fastfood für Kleinkinder.  Wahrscheinlich liegt auch hier, wie vieles in der Erziehung von Kindern, im Kompromiss. Zuhause leben wir weiter nach unseren Vorsätzen. Aber da der Krümelsohn auch mehr und mehr ein eigenes Leben lebt (und leben soll), lasse ich ihn los und lasse ihn im Kindergarten oder bei Freunden diese Dinger essen. Denn es ist eben nicht nur Essen, sondern viel mehr. In der Hoffnung darauf, dass er dadurch selbst eine gesunde Einstellung zum Thema Fastfood entwickeln lernt. Dass wir gemeinsam darüber sprechen, was gesundes Essen ist und was nicht so ideal ist. Auf die Ampelkennzeichnung der Lebensmittel müssen wir ohnehin noch warten und mit seinen knapp zweieinhalb Jahren ist der Krümelsohn dafür sowieso noch zu jung. Ich ziehe aus dem Chicken-Nugget-Hype einfach, dass ich es „nur“ schaffen muss, anderes (gesünderes) Essen genauso positiv zu verknüpfen. Vielleicht klappt es bei uns dann auch mit Gemüse und ein paar mehr Obstsorten. Und überhaupt, wo zieht man die Grenze zu Fastfood? Als was gelten Fischstäbchen? Und wer hat gute Rezepttipps für selbstgemachte Chicken Nuggets :)? Ich freue mich über Euer Feedback!