Zweifach-Mama, die entspanntere Mama? Überlegungen.

Das zweite Kind läuft so mit. Sagen immer alle.  Ist das tatsächlich so? Jetzt sind wir gerade von unserem wunderbaren Kurztrip zurück,  den ich mir als Erstlingsmama mit einem vier Monate altem Baby damals nicht zugetraut hätte, und ich frage mich, womit man beim zweiten Kind entspannter ist. Was traut man sich und dem Kind (den Kindern) eher zu, worin ist man erfahrener und womit macht man als Mama nicht mehr groß Aufhebens. Ein paar Überlegungen: 

1. Ausflüge und (Kurz-)Urlaub

Urlaub mit Kind
Urlaub mit Kind: Der Krümelsohn ganz andächtig auf König Arturs Grab in Glastonbury/ England

Wir sind mit dem zweiten Kind viel aktiver als mit dem ersten. Als Neu-Mama achtete ich penibel darauf, ja nicht dem Kind zuviel zuzumuten oder gar den Schlafrhythmus zu stören.  Bei der kleinen Baby-Krümeline ist das nun fast kein Thema mehr. Dadurch dass wir uns mit dem Krümelsohn langsam an Ausflüge und Urlaube vorgetastet haben, kann ich abschätzen, was wir den Kids an Aktivitätspensum zumuten können und wann sie ihre Auszeiten brauchen. Ich weiß mittlerweile, dass ich auch unterwegs auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder einigermaßen eingehen kann und dass alles meist nur eine Frage der Organisation ist. 

2. Restaurant-Besuche

Restaurant mit Kind
Beim Italiener essen wir ab und an auch zu viert

Fakt ist, dass wir uns weder mit einem Kind, noch jetzt mit zweien, ausgefallene Mehrgänge-Menüs in schicken Restaurants gönnen. Aber: Beim Krümelsohn haben wir im ersten Lebensjahr kaum ein Restaurant von innen gesehen. Heute sind wir da wesentlich entspannter und essen schon ab und an einmal auswärts. Wir berücksichtigen den Rhythmus der Kinder und ziehen den Restaurantbesuch einfach zeitlich vor, anstatt wie früher erst um 20:00 Uhr aus dem Haus zu gehen. Und hoffen darauf, dass die Restaurantküche nicht ewig braucht, um das bestellte Essen auf den Tisch zu bringen. 

3. Längere Autofahrten

Autofahrten mit Kind
Länger im Auto unterwegs - nach wie vor schwierig

Beim Thema Autofahren bin ich nach wie vor unentspannt. Ob mit einem Kind oder mit zweien. Ich möchte den beiden einfach nicht zu lange zumuten, in ihre jeweiligen Autositze eingepfercht zu sitzen und nur die Wahl zu haben, zu schlafen oder aus dem Fenster zu sehen.  Sicherlich, der Krümelsohn kann jetzt mit knapp zweieinhalb Jahren schon Bücher ansehen oder ein bisschen in seinem Sitz spielen, aber für richtig lange Autostrecken nutzt sich das bei ihm auch schnell ab und er verliert die Lust. Pausen einzubauen ist für uns selbstverständlich, nur habe ich da schon erfahren, dass die Lust auf die Weiterfahrt im Auto nach einer Spielpause noch viel geringer ist. Bei der Krümeline ist es so, dass sie sich zwar mittlerweile ganz bereitwillig im Maxi-Cosi befördern lässt, aber auch bei ihr ist nach spätestens zwei Stunden Fahrt das Maximum erreicht ist. Länger möchte ich sie in diesem Ding auch nicht sitzen lassen, um ihren kleinen Rücken nicht unnötig zu belasten. 

4. Baby-Kurse und -Training

Baby-Massage
Zeit hatte ich nur beim ersten Kind für diverse Babykurse wie die Baby-Massage

Als frischgebackene Mama des ersten Kindes wird man überhäuft mit den Angeboten, was man denn alles mit seinem Baby oder Kind unternehmen könne oder solle. Pekip, Babyschwimmen, Babymassage, etc. All das hätte ja nur die besten Auswirkungen auf das Kind und würde es entsprechend fördern. Dem will ich auch überhaupt nichts an Wahrheit absprechen. Aber ich denke, was zudem noch hinter diesem "Run" auf die Kursangebote steckt, ist die Unsicherheit der Mamas, was sie denn den lieben langen Tag mit ihrem ersten Kind so anstellen sollen. Ich nehme mich da gar nicht außen vor. Auch ich war aus diesen Gründen mit dem Krümelsohn bei der Babymassage und beim Mama-Baby-Yoga. Habe ihn zuhause, à la Pekip, täglich zur selben Uhrzeit nackt auf einer Matte strampeln lassen und ihn "be-turnt". Bei der Krümeline schaffe ich es aus Zeitgründen gerade einmal zur Rückbildung und das war es dann auch schon. Selbst das Nacktstrampeln zuhause ist nicht mehr ritualisiert und siehe da, das Mädchen dreht sich einen Monat früher als ihr großer Bruder - ganz ohne Förderung. Nun ja...

5. Schreien/ Stillen in der Öffentlichkeit

Stillen in der Öffentlichkeit Baby
Stillen in der Öffentlichkeit - kein Thema (mehr)

Jede Mama kennt die Situation. Man steckt im Supermarkt in der (garantiert!) längsten Schlange an der Kasse fest und vor einem formiert sich im Sitz des Einkaufswagens oder in der Baby-Schale das "Alraunen"-Gesicht des Winzlings. Nur Sekunden später dann laute Unmutsäußerungen. Früher wäre ich in diesen Momenten am liebsten im Erdboden versunken. Ab und an habe ich die Einkäufe tatsächlich lieber im Markt gelassen, um ja keine bösen Blicke oder schlimmstenfalls blöde Kommentare zu ernten. Heute ziehe ich den Einkauf einfach durch. Kommentare hab ich interessanterweise mit zwei Kindern beim Einkaufen bisweilen weniger gehört als damals mit nur einem. In der Öffentlichkeit zu stillen macht mir gar nichts mehr aus. Ich weiß jetzt beim zweiten Kind, wie es schnell "läuft" und habe aber auch das Glück, dass sich die Krümeline und der Krümelsohn recht ähnlich und gute Trinker sind. Ich mache das ganz non-chalant im Restaurant, in Geschäften oder auf einer Parkbank. Die irritierten Blicke kann ich inzwischen gut an mir abprallen lassen. 

6. Keime und Krankheiten

Gefasster bin ich bei Kind 2 auch beim Thema Keime und Krankheiten. Ich hab mir eine fatalistische Haltung zugelegt: Keime sind einfach überall und Krankheiten kommen, wenn sie kommen. Viel vermeiden kann man da einfach nicht. Andere Kindersabber am Spielzeug der Krümeline. Ist halt so. Beim Krümelsohn hab ich damals immer noch heimlich das Sakrotantuch gezückt, ohne zu wissen, dass sich spätestens in der Krippe oder Kindergarten die Kleinen sowieso alles in den Mund stecken. Dass dort dann die Krankheiten zu grassieren anfangen haben wir auch am eigenen Leib erfahren. Der Krümelsohn hatte im ersten Krippenjahr unzählige Erkältungen (die v.a. Herrn Krümel richtig niederstreckten), den ein und anderen Magen-Darm-Virus, Hautausschläge, Bindehautentzündungen, Fieberinfekte. Als Mama leidet man immer mit, wenn das Kind krank ist, aber jetzt beim zweiten Kind kann ich es besser aushalten. Oft war die Baby-Krümeline immerhin noch nicht krank, aber ich habe diesmal auch nicht mehr die irrationale Denkweise, dass ich sie vor Keimen und Co. schützen kann. Vielmehr sehe ich es inzwischen sogar fast schon positiv, wenn es sie erwischt oder erwischen sollte: Je häufiger sie in jungen Jahren krank ist, desto besser ist der Immunschutz später. 

7. (Baby-)Alltag und Pflege

Wickeln, Baden, Nägel schneiden, etc. Beim zweiten Kind alles ganz selbstverständlich.
Wickeln, Baden, Nägel schneiden, etc. Beim zweiten Kind alles ganz selbstverständlich.

Der Alltag beim zweiten Kind ist nicht leichter. Er ist einfach anders. Sicherlich kann man aus der Erfahrungs-Trickkiste mit dem ersten Kind ein paar Lösungsansätze zaubern, aber die Baby-Krümeline reagiert auf vieles anders als der Krümelsohn. Sie will z.B. anders getragen werden als der Bruder, spielt mit anderen Spielsachen, findet andere Dinge lustig. Diese Individualität ist wunderschön und ich will auch gar nicht daran denken, ihr Verhaltensmuster des großen Bruders aufzudrücken. Anders ist es bei der Kinderpflege. Im Wickeln, Baden, Nägel schneiden, Nase säubern, etc. bin ich beim zweiten Kind ein wahrer Routinier. Das geht alles superfix von der Hand und man macht kein großes Brimborium mehr draus. Heute muss ich schon ziemlich schmunzeln, welche Hemmungen ich beim Krümelsohn hatte, ihm das erste Mal Fieber zu messen (im Po), ihm die klitzekleinen Nägel zu schneiden oder welche Sorgen ich hatte, wenn er mal ein paar Tage lang keine "volle" Windel hatte.  

8. Medienkonsum

Medien Kleinkind Konsum
Das Ipad, so interessant für die Kleinen

Beim Medienkonsum scheiden sich die Geister unter Eltern. Wir lassen den Krümelsohn ab und an ca. eine halbe Stunde Kinderserien sehen oder auch mal am Handy oder Ipad spielen, Videos etc. schauen. Morgens am Frühstückstisch läuft das Radio und am Wochenende verzichtet Herr Krümel am Nachmittag nicht extra wegen den Kindern auf seine Sportsendungen. Dann läuft auch mal der Fernseher zwei Stunden.  Als der Krümelsohn jedoch noch in Krümelines Alter war, hab ich uns allen striktes Medienverbot erteilt, wenn das Kind im Raum war. Das war zugegebenermaßen total überzogen. Das lebe ich so beim zweiten Kind jetzt nicht mehr. Abgesehen von den Vormittagen, die nach wie vor sehr ruhig bei uns sind, weil ich mit dem Baby alleine bin, bekommt die Krümeline schon in frühen Lebensmonaten mit, dass es so etwas wie Fernsehen, Internet, Radio, etc. gibt. Auch beim Krümelsohn ist meine Haltung mittlerweile entspannter. Ich denke, dass ein gemäßigter früher Kontakt zu verschiedenen Medien die Basis für einen gesunden Medienkonsum später bilden.

 

 

Wenn ich mir nun diese kleine Liste ansehe, dann stelle ich durchaus fest, dass Übung den Meister macht - auch bei Kindern. Viele Probleme und Themen kennt man einfach vom ersten Kind und kann dadurch auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Dieses "Wissen" wendet man beim zweiten Kind gezielt an und ist demzufolge entspannter. Was nicht Thema dieses Beitrags ist, was mit zwei Kindern wesentlich schwieriger zu meistern sind, als nur mit einem. Das will ich nochmal extra in einem anderen Beitrag aufgreifen. 

 

Wie ist das bei Euch Zweifach- oder Mehrfach-Mamas so? Worin seid Ihr entspannter? Wo habt Ihr die berühmten Synergie-Effekte?