Nein, meine ... ess' ich nicht. Aber Suppe geht. Immer.

Möhrensuppe Trotzphase Autonomiephase Kleinkind
(Ur-)Möhrensuppe mit Backerbsen. Zumindest die hat der Krümelsohn gegessen.

Mit seinen knapp 2,5 Jahren ist der Krümelsohn ein super Schläfer und für sein Alter schon ganz schön eloquent. Beim Thema Essen hinken wir allerdings im Vergleich zu seinen Altersgenossen meilenweit hinterher. Der Krümelsohn ist ein schlechter bis miserabler Esser. Punkt. Im Moment haben wir wieder eine miserable Essphase und mein Latein neigt sich dem Ende. Ich arbeite wirklich hart daran, auf unseren Tisch gesunde, ausgewogene, abwechslungsreiche Speisen zu bringen und probiere viel aus. Trotzdem ist das Resultat an mindestens fünf von sieben Tage in der Woche: Der kleine Mann schleicht zu seinem Platz, wirft einen kurzen Blick auf den Teller und entscheidet binnen Bruchteilen von Sekunden: "Mag ich nicht". 

Seine Entscheidung wird weder davon beeinflusst, ob er dieses Gericht noch die vorige Woche halbwegs gern sich einverleibt hat oder ob da etwas Neues auf dem Teller liegt. Er "mag es einfach nicht". Was danach folgt, umfasst bei Herrn Krümel und mir die volle Bandbreite elterlicher Überredungskunst. Meist läuft die genauso ins Leere wie der übertriebene Genuss der jeweiligen Mahlzeit, um dem Sohnemann aufzuzeigen, was er sich da alles Leckeres entgehen lässt. Es gipfelt sogar darin, dass Herr Krümel und ich den Kleinen dann schon fast anflehen, er möge doch wenigstens ein bisschen probieren. Sich seiner Macht in dem Moment absolut bewusst und auch ausspielend, begibt sich der Krümelsohn dann irgendwann (wenn wir Eltern schon fast mit dem Essen durch sind und eben jenes auch schon kalt ist) zu Tisch und beginnt zu verhandeln. Er würde die Beilage essen, aber eben das Fleisch nicht und schon gar nicht (um Himmels Willen!!!) das Gemüse. Und überhaupt die Beilage auch nur, wenn er im Anschluss noch ein Gummibärchen oder anderen Nachtisch bekommt. Tja, wieder einmal kommt bei mir der Frust, wenn nicht sogar Wut hoch. Nichts hat es gebracht, meine Hingabe beim Kochen, meine gezielte Rezeptauswahl und die damit verbundene Hoffnung, dass der Krümelsohn endlich mal ordentlich beim Essen zugreift. 

Dabei hatten ihm die ersten Breie noch so geschmeckt

Dass schlimmste dabei ist, dass ich gar nicht verstehen kann, wie es überhaupt so weit kommen konnte, mit seiner zimperlichen Haltung zum Essen. Denn bei diesem Thema war ich doch von Anfang superkorrekt unterwegs??! Wie es in zahlreichen Ratgebern heißt, ist es bereits in der

 

Schwangerschaft prägend für das Kind, was die Mutter zu sich nimmt. Daraus würde sich seine spätere Geschmacksbandbreite und -toleranz ergeben. Wenn es danach ginge, dann müsste der Krümelsohn das aufgeschlossenste Kind der Welt am Esstisch sein. Ich habe mir keine Schwangerschaftsgelüste erlaubt und immer gesund und ausgewogen gegessen. Später dann, als wir in die Breiphase gestartet sind, habe ich das genauso weiter gelebt und liebevoll Breimischungen selbst gekocht und er hat super gegessen. Alles. Bis auf den letzten Löffel! Die Mythen von Möhrenbrei-Resten an Wänden und Co. blieben bei uns Mythen. Ich war so stolz auf ihn, wenn ich sah' mit welchem Appetit er welche Mengen an Brei vertilgte. Bis er mehr und mehr lernte, selbständig zu essen und vor allem bis er mehr und mehr seinen eigenen Kopf entdeckte. Denn ich denke, dass diese Essensverweigerung nichts anderes ist, als uns seinen Willen zu demonstrieren. Mir ist auch klar, dass er diese Ich-Phase unbedingt ausleben muss, aber einfach ist es nicht für mich. Gerade weil ich mich ständig frage, wie viel ich ihm in diesem Thema entgegenkommen sollte oder nicht. Zwinge ich ihn zum Essen oder schicke ihn mit leerem Magen vom Tisch oder erlaube ich ihm, dass er seinen Hunger erneut mit seinen Leibspeisen stillt? Denn wenn es nach dem Herrn ging, würde er sich ausschließlich von Kohlehydraten in Form von (Weißmehl-)Brot, Nudeln und Kartoffeln ernähren. Gefolgt von ab und an Joghurt und natürlich immer von seinen heißgeliebten Fruchtpürees (Quetschis). Dass so eine Ernährung die Verdauung nicht in Schwung bringt, brauche ich an der Stelle wohl nicht extra zu erwähnen. Geschweige denn, dass er seine Zähne so natürlich null zum Einsatz bringt, denn für das weichgekochte oder pürierte Zeugs braucht er die wirklich nicht. Meine Kompromissbereitschaft gestaltet sich in dieser Hinsicht so, dass wir dazu übergegangen sind, viel und oft Suppen zu essen, weil ich darin die gesunden Lebensmittel "verstecken" kann. Aber bringt ihm das langfristig weiter? Ist das überhaupt noch ein Kompromiss oder bekommt er damit nicht eher genau das, was er will. Denn Suppe geht bei ihm immer. Sogar, wenn es eine lilafarbene Suppe (gekocht aus Ur-Möhren) ist, bei der selbst der Herr Krümel aussteigt. Oder liegt des Pudels Kern bei seiner Ess-Unlust womöglich doch nicht im Ausleben seiner Autonomiephase sondern womöglich in zu viel Vielfalt auf dem Esstisch? Denn ein Early Adopter war der Krümelsohn noch nie. Das Thema wird mich wohl oder übel noch eine Weile beschäftigen... Wie sind Eure Erfahrungen hierzu?