Braucht den heutigen Tag noch jemand, oder kann der weg?

Es gibt Tage, die kann man als Mutter einfach nur in die Tonne treten oder im Kalender durchstreichen. Heute ist so ein Tag. Ein Tag, der schon ziemlich früh ziemlich bescheiden beginnt, dann sich über den Vormittag mit Terminstress schmückt, zum Nachmittag hin sogar abflaut, so dass man schon denkt, es ist doch alles nicht so schlimm, bevor am Abend dann das dicke Ende kommt. Und wer weiß, was die bevorstehende Nacht noch so mit sich bringt... Heute wurde die Baby-Krümeline parallel zur U4-Untersuchung das erste Mal geimpft  (die 6-fach plus Pneumokokken). Aus der Erfahrung mit dem Krümelsohn lag mir dieser Arzttermin sowieso schon eine ganze Weile im Magen. 

Wenn alles zusammenkommt

Der kleine Mann hatte zu all seinen Impfungen stets mit Fieber reagiert und war nach dem Termin immer ganz platt und schlapp. Da ich die Impferei zwar als ziemliches Übel, aber leider als absolut notwendig erachte, stand fest, dass auch die Krümeline da irgendwann, also heute, durch muss. Der Arzttermin steht also schon eine Weile und wie "passend" ist es da, dass just heute Herr Krümel einen langen Geschäftstermin außerhalb hat und superfrüh los muss und superspät heim kommt. Heißt, ich hab an einem Tag wie heute beide Kids alleine und kann zwischen deren Bedürfnissen hin- und herspringen. Das macht gerade in einer Phase, in der der Krümelsohn wie eine Klette am Papa hängt und ihm die Mama ziemlich schnuppe ist, natürlich Mega-Spaß. Aber so Tage gibts auch, also Augen zu und durch, dachte ich mir zumindest noch gestern Abend. Mit den Augen zu hat es heute Morgen schon mal gar nicht geklappt, weil der Krümelsohn vom frühen Gepolter des Herrn Krümel im Badezimmer wach wurde, dann ins Elternbett wollte und dort eben nicht mehr die Augen zu machen, sondern lieber seine Pixi-Buch-Sammlung vorgelesen bekommen haben wollte. Das Resultat davon war, dass die Baby-Krümeline auch wach wurde und wir alle drei noch schön dem Papa in aller Frühe "Tschüss winken" konnten. Mit dem "Tschüss winken" realisierte aber der Krümelsohn, dass der Papa jetzt weg ist und startete sogleich eine über das gesamte morgendliche Prozedere andauernde Trotz-Heul-Attacke. Normalerweise macht ihn morgens der Papa fertig und bereitet zusammen mit ihm Frühstück, heute musste ich das übernehmen, was dem Krümelsohn natürlich ganz und gar nicht passte. Verständlicherweise dauerte es dann schon mehr als eine Stunde bis ich mit den zwei Kindern überhaupt angezogen war und wir das Frühstück angehen konnten. Bestochen hab ich den Krümelsohn mit Nutella-Brot (was er sonst nur ab und an am Wochenende darf) und hab darauf gehofft, dass er sich irgendwann einkriegt. Aber nein, das "Papa, Papa"-Schniefen blieb. Irgendwie hab ich es dann doch geschafft, uns alle aus dem Haus zu bugsieren, musste der kleine Mann ja in den Kindergarten, für mich stand zusammen mit der Krümeline Rückbildung und dann eben der Kinderarzt-Termin auf der Agenda. Dass der Krümelsohn dann im Kindergarten gleich das nächste Heulkonzert startet, sich an mich klammert (ja, jetzt ist die Mama doch wichtig) und nicht in seine Gruppe gehen will, hat mir den bescheidenen Morgen auch nicht mehr unbedingt versüßt. Missmutig bin ich zum Auto geschlichen, in der Hoffnung, dass die Betreuerinnen ihn gut ablenken. Fast schon eine logische Konsequenz ist, dass an solchen Tagen wie heute, dann auch die Straßenverhältnisse grausam sind. Verschneit und glatt, herrlich... Also, langsam in die Stadt gerollt und dort fleißig rückgebildet, eingekauft und den Arzttermin angegangen. Im Behandlungszimmer, ganz nackig unter der Wärmelampe, strahlte mich die Krümeline noch so herzerweichend an, dass ich sie schon fast heimlich aus der Praxis bugsieren wollte, nur um ihr nicht diese blöden Impfschmerzen zu bereiten. Diese zwei Piekser gefolgt von ihrem bitterlichen Weinen, das war echt nichts für mich. Ich hatte das ganz vergessen, wie sehr einem dieser Moment als Mutter doch weh tut, wenn die Kinder so schmerzerfüllt weinen... Es ist zwar immer nur ein Moment, ja, aber ich bin echt in der privilegierten Situation, dass ich gar keine Schrei-Kinder hatte und habe und deren Schreien nicht gut hören kann. Nun gut, der Arzttermin war dann auch durch und ich war schon ganz angespannt, wann denn das Fieber bei der Baby-Krümeline anfängt. Noch schwupps den Krümelsohn aus dem Kindergarten abgeholt, der sich gottseidank dort wieder recht gut berappelt hatte und ab nach Hause. Heute Nachmittag war klar, wir machen es uns drinnen gemütlich. 

Alles nicht so schlimm, oder doch??

Die Kleine schlief dann erstmal ruhig eine Weile, zwischenzeitlich bastelte ich mit dem Krümelsohn, spielte Lego und aß Obst mit ihm (was er sonst megaselten macht, wenn dann nur in pürierter Form). Papa schien vergessen und die beiden Kinder waren den gesamten Nachmittag über superlieb und einfach nur herzig. Kein Fieber bei der Krümeline in Sicht, sie schien gar nicht anders drauf zu sein als sonst und lächelte fröhlich. Läuft, dachte ich. Bis das Abendessen anstand. Beim Krümelsohn hatte ich DEN Augenblick übersehen, an dem er noch halbwegs bereitwillig sich an den Tisch setzt. Er ist eher ein schlechter Esser und man bekommt nur Sachen in ihn hinein, wenn es a) der richtige Moment ist und er noch nicht zu müde ist und b) wenn das richtige Essen auf dem Tisch steht. Heute hab ich in beiden Punkten versagt. Die intensive Spieleinheit am Nachmittag hatte ihn offenbar "ausgepowert" und die Tortellini mit Pesto waren so gar nicht nach seinem Gusto. Es war für mich schon eine Meisterleistung, dass ich ihm wenigstens ein paar trockene Tortellini einverleiben konnte. Das Drama nahm gar weiter seinen Lauf, fiel dem Krümelsohn pünktlich mit den Nudeln im Mund wieder ein, dass ja der Papa nicht da ist, woraufhin die Heulerei wieder startete. Und nicht nur seine Heulerei startete: ebenfalls pünktlich zum Abendessen fingen bei der Krümeline nun (doch noch) die Impfreaktionen an, nur eben kein Fieber, auf das ich mich die ganze Zeit über eingestellt hatte. Sie fing, gefühlt von einer Sekunde auf die andere, an zu Schreien und ließ sich überhaupt nicht mehr beruhigen. Ich kenne das überhaupt nicht von ihr. Ich versuchte sie zu stillen (was sonst das Nonplusultra ist), aber nein, sie schreit die Brust an. Ich kann nur mutmaßen, dass sie zusätzlich zu ihrem Unwohlsein wohl Hunger hatte, aber dass es ihr zu lange gedauert hat, bis mein Milchspendereflex einsetzte und sie deshalb nur nuckeln konnte, aber keine Milch kam. Es gipfelte darin, dass sie eine Stunde lang schrie, ich mit beiden Brüsten entblößt (aus Verzweiflung wechselte ich ständig von einer Brust zur nächsten) am Esstisch saß und versuchte, nebenbei noch dem Krümelsohn ein paar Tortellini in den Mund zu stopfen, der ebenfalls heulte, weil Papa nicht da ist. Nachdem die arme kleine Maus aber so ausdauernd schrie, vergaß zumindest der Krümelsohn seinen Trotz und war ganz süß darum bemüht, seine kleine Schwester zu beruhigen. Als ich ihr dann ein Schmerzzäpfchen verabreichte, wollte er natürlich auch eine Tablette (in Form von Multivitamin-Tabletten) haben. Mit einer noch immer schreienden Krümeline im Tragetuch hab ich es vorhin immerhin geschafft, den schon sehr sehr müden Krümelsohn ins Bett zur bringen, nach Papa hat er zum Glück nicht mehr gefragt und ist richtig schnell jetzt eingeschlafen, puh! Nachdem das Schmerzmittel bei der Krümeline auch endlich gewirkt hat, hab ich es sogar geschafft, sie ein paar Minuten zu stillen, bevor sie ganz erschöpft an der Brust eingeschlafen ist und (gottseidank!!!) bis jetzt noch immer in ihrem Bettchen schlummert. Mal sehen, wie die Nacht sich nun ausgestaltet. Sicher ist nur, auf Herrn Krümel brauche ich nicht zu warten, der hat heut auch kein Glück: sein Zug hat Verspätung...